DE |EN |FR |IT
Alpiq in: Schweiz
Alpiq Gruppe

Wasserkraft in der Schweiz

Grande Dixence

Die Staumauer Grande Dixence im Wallis

Mehr als die Hälfte der Schweizer Stromproduktion stammt aus Wasserkraft. Daran wird sich auch mit der Energiewende nichts ändern. Im Gegenteil: Um den geplanten Ausstieg aus der Atomkraft zu erleichtern, will der Bundesrat die Wasserkraft im Rahmen seiner Energiestrategie 2050 ausbauen. Das vorhandene Potential ist aber eng begrenzt und geht selbst unter günstigsten Bedingungen nicht über 3.2 TWh oder rund 10% der aktuellen Wasserkraftproduktion hinaus. Dabei entfallen je ein Drittel auf die Erneuerung von bestehenden Kraftwerken und auf den Neubau von Gross- bzw. Kleinwasserkraftwerken.


Wasserkraft und Energiewende

Das Ausbaupotenzial der Wasserkraft hängt eng mit den gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen zusammen, unter denen der Ausbau stattfindet. In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Schweiz ein ausgewogenes, grundsätzlich praktikables und direktdemokratisch gut abgestütztes Verhältnis zwischen Schutz der Natur und Nutzung der Wasserkraft herausgebildet. Es erlaubte sogar die Realisierung grosser energiewirtschaftlicher Projekte wie Nant de Drance, Linth-Limmern oder Lago Bianco. Im Rahmen der Vernehmlassung zu seiner Energiestrategie 2050 sieht der Bundesrat jetzt vor, die Nutzungsinteressen höher als bisher zu gewichten. Er schlägt deshalb vor, den Natur-, Landschafts- und Gewässerschutz und die bisherigen Mitspracherechte im Plangenehmigungsverfahren einschränken (Artikel 11-16 des zur Revision vorgeschlagenen Energiegesetzes und Art. 83 des Bundesgerichtsgesetzes). Ob die Schweizer Bevölkerung, die in verschiedenen Volksabstimmungen den Naturschutz immer hoch gewichtet hat, dieser neuen Interessenabwägung folgen wird, ist noch vollkommen offen.


Wirtschaftsfaktor Wasserkraft

Die Wasserkraft ist nicht nur ein zentraler Pfeiler der Schweizer Stromversorgung, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, besonders in den Gebirgskantonen. Die Kantone und die Gemeinden als Inhaber der Wasserhoheit vermieten den Rohstoff Wasser für eine vereinbarte Dauer von meist 80 Jahren zur Nutzung an die Elektrizitätsunternehmen. Im Gegenzug erhalten sie Konzessionsgelder, Wasserzinsen und Steuereinnahmen.

Diese Ordnung, wonach der Staat reguliert und Steuern erhebt und die Wirtschaft produziert, ist sinnvoll und vernünftig. Sie kommt aber zunehmend unter Druck. Kantone und Gemeinden wollen die Konzessionen nicht mehr erneuern und selber direkt in die Produktion einsteigen. Gleichzeitig sorgt die Bundesgesetzgebung für eine rasch steigende Belastung der Wasserkraft mit Gebühren und Abgaben. Jüngste Beispiele sind die schrittweise Erhöhung der Wasserzinsen und die Einführung der Renaturierungsabgabe. Anderseits versucht der Bund im Rahmen der Energiewende die Ausbauplanung zu zentralisieren und die Handlungsfreiheit von Gemeinden und Kantonen einzuschränken.

In diesem energiepolitischen Spannungsfeld setzt sich Alpiq für den Erhalt möglichst günstiger Rahmenbedingungen für ihre Wasserkraftproduktion von jährlich rund 5 TWh ein (= ein Viertel ihrer Gesamtstromproduktion). Die Einhaltung marktwirtschaftlicher Grundsätze, die klare Trennung der Verantwortlichkeiten zwischen Staat und Wirtschaft und eine massvolle Belastung der Wasserkraft sind dabei ihre Hauptanliegen.


Pumpspeicherkraftwerke als Batterien für die Schweiz

Der Umbau der Stromversorgung mit zunehmend unregelmässiger und dezentraler Einspeisung führt zu einem europaweit erhöhten Speicherbedarf. Pumpspeicherkraftwerke erlauben es, spontane Über- oder Unterproduktionen aus Wind- und Solarenergie kurzfristig auszugleichen und den Strom bei Bedarf auch über Tage und Wochen zwischenzulagern. Entscheidend für die Flexibilität der Werke ist die Grösse der vorhandenen Speicherseen. Zurzeit sind in der Schweiz mehrere Pumpspeicherkraftwerke in Bau, darunter Nant de Drance. Dieses Gemeinschaftswerk unter der Führung von Alpiq und mit Beteiligung von SBB, IWB und FMV soll 2017 ans Netz gehen.

Der Bundesrat geht davon aus, dass die Pumpspeicherleistung in der Schweiz von heute 1700 MW bis 2020 auf rund 4000 MW ausgebaut werden kann. Das wäre aber nur ein Bruchteil der für den europaweiten Ausgleich von Wind- und Sonnenstrom nötigen Kapazität. Mit der teilweisen Umfunktionierung der Pumpspeicherkraftwerke von Spitzenstromlieferanten zu Garanten der Energiewende verändert sich auch ihre Geschäftsbasis. Die konkreten Auswirkungen dieser Verlagerung sind heute allerdings noch nicht genau abzuschätzen. Sie hängen auch von den künftigen energiepolitischen Rahmenbedingungen ab.